Lange genug musste wegen Corona so viel ausfallen – jetzt endlich konnte das Team der Evangelischen Öffentlichen Bücherei Remagen eine liebgewordene Tradition wiederaufnehmen und einen Literarischen Gottesdienst gestalten.

Am 22. Mai um 11 Uhr läuteten die Glocken der Friedenskirche für einen Literarischen Familiengottesdienst zu dem Kinderbuch „Hübsch“ des spanischen Autors und Zeichners Canizales.

Worum geht es in dem Bilderbuch, das, wie so viele Bilderbücher, auch für Erwachsene Bedenkenswertes bereithält? Die Hexe wird vom Oger zu einem Picknick eingeladen. Auf dem Weg zum Picknick begegnet sie nacheinander vier Tieren.

Obwohl sie schon mit Bedacht das wohl beste ihrer typischen Hexenkleider ausgewählt hat, haben die Tiere etwas an ihrem Aussehen zu bemängeln und geben wohlgemeinte, aber unerbetene Ratschläge.Wozu hat die Hexe schließlich einen Zauberstab, wenn sie ihn nicht nutzt, um sich für die Einladung zu „verschönern“? Das Resultat ist, dass der Oger die Hexe nicht erkennt und nicht mit ihr picknicken will. Da erkennt die Hexe, dass ihr krummer Rücken, ihre große Nase, ihr spitzes Kinn und ihr borstiges Haar zu ihr gehören und dass sie so, wie sie normalerweise aussieht, genau richtig ist.Du bist gut, du bist wunderbar so wie du bist. So hat Gott dich geschaffen und genau so liebt er dich. So können auch wir uns annehmen und die, die wir lieben. Diesen Gedanken stellte Pfarrerin Johanna Karcher in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. Gott hat uns alle nach seinem Bild erschaffen, und deshalb kommt es nicht darauf an, sich ständig in Frage zu stellen, um zu großen Selbstansprüchen oder irgendwelchen Vorstellungen Anderer zu entsprechen.

Diese Erkenntnis tut gut; und es tut gut, sie sich bewusst zu machen und auch einmal auszusprechen. Deshalb lud das Büchereiteam die jungen und erwachsenen Gottesdienstbesucher*innen dazu ein, auf vorbereiteten Zetteln aufzuschreiben, was einem an jemand Anderem oder an sich selbst gefällt. Da kam allerhand zusammen, wie auf dem beklebten Spiegel zu sehen ist!

Nach dem Gottesdienst lud das Büchereiteam die zahlreichen Besucher*innen noch zum Kirchencafé ins Evangelische Gemeindehaus ein. Bei Getränken und einem vom Team vorbereiteten kleinen Imbiss tauschten sich die Besucher*innen noch angeregt aus, und in der geöffneten Bücherei wurde noch das ein oder andere Buch ausgeliehen.

Das Büchereiteam lädt in diesem Jahr wieder zu einem Literarischen Gottesdienst ein. Unter dem Motto „Du bist gut, du bist wunderbar“ findet am Sonntag, 22. Mai 2022 um 11 Uhr ein Familiengottesdienst mit Bilderbuchkino für alle Generationen in der Friedenskirche Remagen statt.

Im Mittelpunkt dieses Gottesdienstes steht das Buch „Hübsch“ von Canizales:
Sehr aufgeregt überlegt die Hexe, was sie zu ihrem „Date“ mit dem Oger anziehen soll, denn sie möchte richtig hübsch sein. Zufrieden mit sich selbst macht sie sich auf den Weg. Unterwegs begegnen ihr verschiedene Tiere, die alle etwas anderes an ihrem Aussehen auszusetzen haben. Stück für Stück zaubert sie sich ein neues Aussehen. Doch das war wohl keine so gute Idee, denn nun erkennt der Oger sie nicht mehr und schickt sie weg. Als die Hexe in den Spiegel schaut, versteht sie auch warum. (Rezension: Helene Schäuble)

Im Anschluss an den Gottesdienst sind alle herzlich zum Kirchencafé ins Evangelische Gemeindehaus eingeladen.

Am 27. Mai 2020 hätte eigentlich in der Matthäikirche in Bonn der Ev. Buchpreis an Norbert Scheuer für seinen Roman „Winterbienen“ im Rahmen einer Feierstunde übergeben werden sollen. Doch leider ist eine größere Veranstaltung aus den bekannten Gründen derzeit nicht möglich.
Doch eine engagierte Gruppe von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus evangelischen Büchereien in der Ev. Kirche im Rheinland hat den Entwurf des Literaturgottesdienstes, den Pfarrer Hartung von der Ev. Öffentlichen Bücherei Kirchberg für die Arbeitshilfe entworfen hatte, in einen Videogottesdienst umgesetzt. Beteiligt an diesem Gottesdienst sind auch Mitarbeiterinnen aus unserer Bücherei und Daniel Andernach, unser Organist, hat diesen Gottesdienst musikalisch begleitet.

Feiern Sie auf diesem Weg gemeinsam mit uns diesen besonderen Gottesdienst.

Hier geht es zum Gottesdienst: https://www.youtube.com/watch?v=fTtFyj8qjwI&t=8s

Büchereiteam mit Pfarrerin Wittmann

In der Evangelischen Kirchengemeinde Remagen-Sinzig ist der jährliche Literarische Gottesdienst zu einer schönen Tradition geworden. Bereits zum 11. Mal fand am vergangenen Sonntag der diesjährige Literarische Gottesdienst, gestaltet von Pfarrerin Erdmute Wittmann und dem Büchereiteam, statt. In diesem Jahr stand das Kinderbuch „Baum der Wünsche“ von Katherine Applegate im Mittelpunkt des Gottesdienstes für die ganze Familie.
„Rot“ ist der Name einer 216 Jahre alten, großen Roteiche. Der Baum ist voller Geschichten und Erfahrungen, Gefühle und Gedanken. Seine Blätter sind im Herbst ein einziges rot leuchtendes Flammenmeer. Rot ist ein Zuhause für Eulenküken, Beutelratten und Stinktiere, die alle friedlich und geschützt zusammenleben. Doch Rot ist auch ein Wunschbaum, seit vielen Jahren hängen die Menschen am 1. Mai Wünsche an seine Zweige. Oft sind es ganz banale Wünsche, manchmal aber auch existenzielle Wünsche. Auch die zehnjährige Samar, die mit ihren Eltern neu in die Straße gezogen ist und in einem Haus im Schatten des Baumes wohnt, hängt einen Wunsch an den Baum. Samar kommt aus einem anderen Land und ihre Mutter trägt ein Kopftuch. Die Familie wird von den Nachbarn argwöhnisch beäugt, doch Rot ist sich sicher, dass sie bald Wurzeln schlagen und sich wohlfühlen wird. So oft hat er schon neue Familien ankommen sehen und erlebt, wie sie freundlich aufgenommen wurden. Jedoch spürt Rot auch, dass diesmal irgendetwas anders ist in der Nachbarschaft. Als Rot miterlebt, wie dem Mädchen großes Unrecht widerfährt, beschließt er etwas zu tun, was Bäumen streng verboten ist: Er erhebt seine Stimme!
Daneben gibt es für Rot noch ein weiteres Problem. Durch seine Größe wird er zum Ärgernis einer Nachbarin. Sie möchte den Baum fällen lassen.
Nun sind Mut und Zusammenhalt gefordert, von den Menschen und von den Tieren.
Nach einer Einführung in die Geschichte erzählte, in einem Zwiegespräch, „Rot“ (Irmgard Kremer-Bieber) dem Mädchen Samar (Emily Kuhlen) Erlebnisse vergangener Jahre, von den unterschiedlichsten Wünschen und seinen Gedanken zu den aktuellen Ereignissen.

In ihrer Ansprache stellte Pfarrerin Erdmute Wittmann die wichtige Bedeutung des „Annehmens“ in den Vordergrund. Sie nahm Bezug auf Texte der Bibel, in denen bereits vor vielen Jahren fremde Menschen nach Rom kamen und gerne zur Gemeinschaft der Christen gehören wollten. Ebenso machte sie deutlich, dass auch Jesus alle Menschen so annahm wie sie waren und Keinen ausgrenzte. Jesus versuchte allen Menschen zu helfen oder sie zu unterstützen, verurteilte sie aber nicht. Etwas wie „Geh weg“, wie es im Buch erzählt wird,
hätte er nie gesagt.

Anschließend waren alle zu einem gemütlichen Beisammensein mit Kaffee und Kuchen ins Gemeindehaus eingeladen. Dort gab es einen regen Austausch und viele positive Worte zu dem Gottesdienst.